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News Maximale Drehzahlen im Fulfillment   zurück
 
Schnell muss es gehen im Fulfillment. Darum injizieren Versender und Dienstleister Schnelldurchläufer direkt in die Packerei, ohne dass die Renner und Co. das Hochregallager je aus der Nähe gesehen haben. Praktiker sagen, worauf es ankommt.
Tagsüber Bestellungen sammeln, über Nacht fakturieren, am Folgetag das Lager organisieren - solche Beschaulichkeit im Fulfillment ist passé. Bereits am Wareneingang müssen die Systeme heute erkennen, ob Nachlieferungen heiß ersehnter Produkte gleich wieder Richtung Packerei wandern sollen. Kommissionierlager erlangen so eine höhere Bedeutung. „Sobald Händler von Lieferanten die Ankündigung eines Warenzugangs erhalten, werden sie dazu übergehen, diese Lieferavise in ihre Systeme zu integrieren", weiß Arne Pierau, Chef der Hamburger Unternehmensberatung Pierau Planung. So gelinge es, die Kommissionierung zeitsparend vorzubereiten.

Aufträge sammeln, fakturieren und organisieren - all das findet heute bei einigen Händlern im Halbstundentakt statt. „Dazu muss das Lager mit dynamischen Kommissioniersystemen ausgestattet werden", erklärt Pierau. Diese werden abhängig von Sendungsvolumen und Sortimentsgröße eines Händlers konfiguriert. Einziger Haken: Die flotten Prozesse senken die Produktivität und vernichten Skaleneffekte. „Möglicherweise steigt damit jedoch das Auftragsvolumen", gibt Pierau zu bedenken und vermutet, dass Ware, die schnell bei euphorischen Bestellern eintrifft, seltener retourniert wird. Das würde Händlern jedenfalls Kostenvorteile bescheren.

„Der Grat zwischen Schnelligkeit und Effizienz ist schmal", bestätigt Olaf Wallace, Leiter Versand- und Nachschubzentrum Hamburg beim Dienstleister Hermes Fulfillment. Die Hamburger haben daher ausgelotet, wie ihre Mitarbeiter Artikel wegeoptimiert auf einem vom IT-System vorgegebenen Parcours einsammeln und dem sendungsopti¬mierten Versand zuführen. Bestellt ein Endkunde bis zum ersten der beiden täglichen „Cut-offs" in mehreren Schüben, so werden diese zu einer Sendung zusammengefasst. Trifft ein weiterer Auftrag später ein, so erfolgt eine zweite Sendung, „Die Bündelung über die Cut-off-Zeiten hinaus gehen zu Lasten der Effizienz", begründet Wallace.

Langsam- und Schnelldreher laufen parallel
Dem Edel-Textilienhändler Peter Hahn ist das zwar bewusst. Dennoch erfüllen die Winterbacher guten Kunden auch exotische Wünsche hinsichtlich Termin- oder Lieferung an den Ferienort, wenn auch im Einzelfall gegen Gebühr. „Auf manuellem Weg machen wir alles möglich", betont Peter-Hahn-Chef Roland Allgeyer. Indes nutzt der Händler bei der normalen, tagfertigen Abwicklung einerseits einen RFID-gestützten Sorter. Dann gelangt etwa eine Bluse, die je einmal in Finnland und Deutschland sowie einmal über den Einzelhandel des europaweit agierenden Multichannel-Unternehmens bestellt wurde, in entsprechender Menge aus einem Fach in den Sorter. Die Ware wird auf die Kundenaufträge verteilt und in der richtigen Auftrags- und Positionsreihenfolge am Packplatz angeliefert.

Andererseits nutzt der Händler für Schnelldurchläufer eine so genannte Single-and-more-Versandlösung mit automatischer Packstraße. Damit werden Renner kommissioniert, bei mehreren Bestellpositionen die zusätzlichen Artikel hinzugepackt und der Karton automatisch verschlossen. „Die Sorterprozesse der Langsamdreher und die Single-Packerei der Renner warten nicht aufeinander, sondern laufen parallel", betont Allgeyer. Der Effizienzgrad des Prozesses sei im Vergleich zur herkömmlichen Kommissionierung vier- bis fünfmal so hoch. Die zu hundert Prozent kontrollierten, aufbereiteten Retouren schleust der Händler bei Bedarf ebenfalls direkt in die Single-Packerei.

Auch bei Live-Shopping-Modellen ist Speed gefragt. Handelt es sich beim Wareneingang um bereits verkaufte Ware, müssen Sendungen in kürzester Zeit zusammengestellt und Einzelkundenaufträge gebildet werden. Anstatt Eilsendungen am gleichen Tag über einen Sonderkommissionierlauf zu schicken, verlangen einige Händler einen noch höheren Service-Level. Das ist laut Danilo Georg, Sprecher der Geschäftsführung von Baur Fulfillment Solutions in Burgkunstadt, weit individueller als eine herkömmliche Versandhandelsabwicklung. Und liegt im Trend. Cut-off-Zeiten verschieben sich, weil Händler Verbraucher zunehmend mit Blitzversandoptionen umwerben. Nach dem Motto: Bestelle bis zum Nachmittag, erhalte voraussichtlich morgen dein Paket.

Wie die Umsetzung gelingt? „Die Systeme müssen eine ausreichende Kapazität bieten, sodass mehrere Fakturierungsabläufe in kurzen Zyklen untertägig verarbeitet werden können", erklärt Danilo Georg. Das setzt eine präzise Lokalisierung von Waren voraus. Bei einer geringen Artikeltiefe können etwa Waren - unterwegs ins Kommissionierlager - in einen virtuellen Zwischenspeicher gebucht und praktisch fehlmengenfrei kommissioniert werden. Das ist laut Georg sinnvoll, wenn Artikel zum Zeit¬punkt ihres Wareneingangs noch nicht geordert wurden. Nach dem Auftragseingang können diese vor der Einlagerung abgefangen und in die Packerei geschleust werden. Immerhin gilt gerade im Multichannel-Geschäft: „Je eher die Bestandsfüh¬rung in Echtzeit erfolgt, desto geringer sind manu¬eller Klärungsbedarf und Zeitverzögerungen bei der Auftragsverarbeitung", resümiert Georg.

Autorin: Kristina Schreiber
Erschienen im Mail Order World Messenger 01/2010

www.baur-fs.de
http://fulfilment.hermes-europe.de
www.peterhahn.de
www.pierau-planung.de
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