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Januar 2019

Engelbert Strauss auf Expansionskurs

Unter diesem Titel veröffentlichte veröffentlichte die Frankfurter Rundschau am 15. Januar 2019 einen Beitrag von Gregor Haschnik zur neu entstehenden CI-Factory von engelbert strauss. Unsere Aufgabe bei diesem Projekt: die logistische Gesamtplanung.

Schlüchtern
Engelbert Strauss auf Expansionskurs

Das Werk der Bekleidungsfirma in Schlüchtern soll im Jahr 2020 öffnen. Es handelt sich um das größte Bauprojekt im Main-Kinzig-Kreis.

Wer auf der A 66 von Fulda nach Frankfurt fährt, sieht bei Schlüchtern riesige Bauten in den Himmel ragen. Im Gewerbegebiet Distelrasen entsteht auf einem 8,6 Hektar großen Areal ein Großprojekt: Die Grundfläche der Gebäude erstreckt sich über 23 000 Quadratmeter, allein die in 25 Metern Höhe gelegene Kantine nimmt 2000 Quadratmeter ein.
Engelbert Strauss, das auf Berufsbekleidung spezialisierte Unternehmen mit Sitz in Biebergemünd im Main-Kinzig-Kreis, baut hier für einen dreistelligen Millionenbetrag einen neuen Produktions- und Logistikstandort. In der sogenannten CI-Factory – CI steht für Corporate Identity - will Engelbert Strauss individuell gestaltete Kleidung für Firmen herstellen, von Kopf bis Fuß. Rund 300 Arbeitsplätze sollen geschaffen werden.

Das von der dritten und vierten Generation geführte Familienunternehmen liege bei seinem Projekt im Zeitplan, teilt Sprecherin Johanna Munzinger auf FR-Anfrage mit. Der Rohbau ist fertig, jetzt folgt der Innenausbau. Die Arbeiten, an denen zu 50 Prozent Firmen aus der Region beteiligt seien, werden wohl Ende 2019 fertig sein. Die Produktion in Schlüchtern soll 2020 auf Hochtouren laufen. Wobei der erste Teil der Herstellung weiter überwiegend in Asien stattfindet; in Hessen werden die Produkte geprüft und weiterverarbeitet.

Im Neubau will Engelbert Strauss ein besonderes Augenmerk auf die Schuhproduktion legen, die in einem gläsernen Trakt erfolgt. Mit Hilfe von 3D-Druck, Lasertechnik und einer robotergestützten Logistik sollen Schuhkombinationen angeboten werden, die auf die Unternehmen zugeschnitten sind. „Wir beobachten, dass individuell gebrandete Bekleidung für Firmen von immer größerer Bedeutung ist“, sagt Geschäftsführer Henning Strauss, das gelte auch für kleinere Handwerksbetriebe. Auch deshalb plane Engelbert Strauss, in Schlüchtern nicht nur herzustellen, sondern „im Stile einer textilen Werbeagentur“ tätig zu sein und Kunden bei der Gestaltung des Firmenauftritts zu beraten.

Engelbert Strauss expandierte

Es ist einer von vielen Schritten, mit denen Engelbert Strauss in den vergangenen Jahren expandierte. Die Gründer begannen einst mit dem Handel von Besen und Bürsten, später kamen einfache Arbeitshosen und Handschuhe hinzu. Vor etwa 25 Jahren wurde der Neubau mit Logistik in Biebergemünd errichtet, der inzwischen mehrfach erweitert wurde, auch um einen „Workwearstore“. Doch das Unternehmen hat seine Zielgruppe deutlich erweitert, stellt schon lange nicht mehr nur Arbeits-, sondern auch Freizeitkleidung her, mischt im Lifestyle-Segment mit. Mittlerweile gibt es sogar eine „Couture“-Linie. Der jährliche Umsatz der Textilfirma, die etwa 1200 Mitarbeiter beschäftigt, wird auf 800 Millionen Euro geschätzt.

Die Expansion in Schlüchtern sei für den Kreis „wie ein Sechser im Lotto“, sagt Landrat Thorsten Stolz (SPD). Diese Dependance und die künftige Zentrale der Großmetzgerei Brandenburg, die ebenfalls für einen dreistelligen Millionenbetrag in Erlensee entsteht, seien „die mit Abstand größten privaten Investitionen“ seit Gründung des Kreises im Jahr 1974. Der Bergwinkel, die Region um Schlüchtern, bekomme einen „kräftigen Wachstumsimpuls“.

Der ländliche Osten des Kreises ist strukturschwächer als der Westen vor den Toren Frankfurts, manche Orte haben stark mit dem demografischen Wandel zu kämpfen. Auch wegen der viel günstigeren Immobilienpreise als im Ballungsraum Frankfurt ist die Trendwende in einigen Orten gelungen, wie in Schlüchtern, wo mehrere neue Baugebiete ausgewiesen wurden. Die Ansiedlung von Engelbert Strauss soll helfen, die Entwicklung fortzusetzen.