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Oktober 2019

Alles im grünen Bereich

In der Neuen Westfälischen erschien am 18. September 2019 dieser Beitrag des Autors Horst Biere über das neue hochmoderne Logistikzentrum unseres Kunden HARTING.  Schön, dass wir bei diesem Projekt mit logistischem Know-how unterstützen durften.

Mittwoch, 18. September 2019 | Von Horst Biere

Neues Logistikzentrum: Die HARTING-Gruppe hat mit dem Bau die größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte getätigt. Nun verbindet das Espelkamper Unternehmen seine Produktion mit smarter und umweltschonender Technik mit aller Welt.

Wer Achim Meyer zuhört, der bekommt ein erstklassiges Beispiel geliefert, wie man Nachhaltigkeit mit Spitzentechnologie in Einklang bringt. Denn wenn der Geschäftsführer von Harting Logistics von der Qualität seines neuen Logistikzentrums in Espelkamp spricht, könnte er auf dem Parteitag der Grünen wahrscheinlich genauso punkten wie bei einer Versammlung konservativer Wirtschaftspolitiker. Oder aber bei Gewerkschaftern, die sich für moderne Arbeitsplatzgestaltung einsetzen.

Die HARTING-Gruppe hat kürzlich die größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte abgeschlossen und für 45 Millionen Euro ein neues Logistikzentrum in den hohen Norden von NRW gesetzt. Der Grund für die mutige Entscheidung liegt einerseits im rasanten Wachstum des Unternehmens, das die alte Lagerhaltung bis an die Grenzen führte. Andererseits will HARTING dadurch seine zukünftige Zuwachsstrategie ausreichend unterfüttern.

„Das neue Logistikzentrum ist für eine Umsatzmarke von einer Milliarde Euro und mehr ausgelegt“, sagt Firmensprecher Detlef Sieverdingbeck über das Investment. Dass die Standortentscheidung auf Espelkamp fiel und nicht auf eine grüne Wiese im benachbarten Niedersachsen oder aber auf den Verkehrsknotenpunkt Hannover, sagt viel über die Philosophie des Unternehmens aus. „HARTING ist ein Familienunternehmen“, meint Sieverdingbeck, „da hat man mehr regionale Verantwortung und investiert zumeist in die Region, in der das Unternehmen groß geworden ist“.

Die logistische Konsequenz aus der Standorttreue kann Geschäftsführer Achim Meyer durch handfeste Fakten unterlegen. „So nah wie möglich an der Quelle der Produkte zu lagern, ergibt Sinn.“ Denn so kann man die aktuelle Kundenbestellung wie Stecker und Komponenten industrieller Verbindungstechnik unmittelbar aus der Produktion heraus mit in die Pakete an die Kunden hineinsortieren. Ohne lange Verkehrswege und ohne zeitliche Verzögerung. Oft werde ja ein Teil erst produziert, wenn es der Kunde verlangt, erzählt Meyer.

Die Lokalisierungsstrategie des Unternehmens zeigt sich übrigens nicht nur am Stammsitz in Espelkamp. Nach dem einfachen, aber stimmigen Leitsatz „Aus der Region – für die Region“ baute HARTING auch seine Produktionsstätten in Rumänien oder in China zu Vollwerken um, so dass sie große Teile der Fertigungspalette abbilden. Damit kann die Belieferung des jeweiligen Marktes vollständig aus dem lokalen Werk erfolgen – und man vermeidet lange Transportwege aus Espelkamp oder anderen Satellitenwerken. „Stichwort CO2-Reduzierung“,nennt Achim Meyer.

Wie baut man nun ein neues Logistikzentrum, das einerseits das Harting-typische Geschäft mit der Lagerung einer Vielzahl von elektrischen und elektronischen Komponenten beherrscht, das andererseits die tagesaktuelle Auslieferung berücksichtigt und das zudem den heute geforderten umweltschonenden Standards entspricht? Logistikfachmann Meyer hat das Projekt offenbar gründlich vorbereitet und hat „vor Baubeginn mehr als 100 Beispiele von modernen Lagergebäuden aller Branchen“ in ganz Europa angeschaut.

Viele Elemente des technischen Equipments kamen aus dem eigenen Haus. Die Hardware, um bis zu 7.000 Paletten und etwa 120.000 Behälter vollautomatisch zu lagern, fanden er und sein Team zum großen Teil in der HARTING-Produktion: Sensorik, RFID-Komponenten, Stecker, Kabel, die MICA – wesentliche Komponenten aus der HARTING-Entwicklung flossen in die Ausstattung des mehr als 20 Meter hohen Gebäudes. Sie sorgen für die smarte Steuerung des gesamten Logistikflusses mit Palettenhandling, Stellplatzmanagement, Verladekontrolle. Sogar die eigenständige Lenkung der innerbetrieblichen Transportmaschinen läuft ohne menschliches Zutun ab. „Der Gabelstapler erkennt selbst, ob er die richtigen Produkte auf den richtigen Lkw lädt. W-LAN macht’s möglich“, sagt Achim Meyer.

Die Besonderheit des Logistikzentrums liegt auch zum großen Teil im grünen Bereich, in der modernen CO2-Strategie des Unternehmens. „Unser Ziel ist es, eines Tages völlig CO2-neutral zu produzieren“, erklärt Geschäftsführer Meyer. Daher bekam das riesige Gebäude ein ganz neues Energiekonzept für Licht, Luft und Raumklima verschrieben.

40 Prozent des Energiebedarfs für die industrielle Fußbodenheizung/-kühlung stammen aus einer Geothermieanlage; der Rest kommt aus moderner Brennwerttechnik, die mit Biomethan betrieben wird. Die Lieferung des Naturgases übernimmt – auch das ist außerordentlich – eine Biogasanlage des Gesellschafters Harting, der einen großen landwirtschaftlichen Betrieb in der Nähe von Uchte (Niedersachsen) betreibt.

Um den „Carbon-Footprint“, den Ausstoß an CO2, noch weiter zu verringern, hat man bei HARTING den internen Werkverkehr längst umgestellt. Die innerbetrieblichen Shuttlefahrzeuge besitzen alle einen Elektroantrieb. „Und die Photovoltaik-Anlage auf unserem Gebäudedach liefert so viel Strom, um damit die Anlagentechnik des Lagerzentrums zu versorgen“, versichert Meyer.

Und letztlich spricht auch die neueste Verkehrsanbindung im Norden Ostwestfalens für das HARTING-Logistikzentrum in Espelkamp. Die Region hat durch den Lückenschluss auf der A30 und durch die schnelle Zuführung zur A2 eine deutlich bessere Anbindung an die europäischen Transportrouten bekommen. So schafft es das Unternehmen problemlos, seine Kunden mit bis zu 10.000 Paketen am Tag über seine Transportdienstleister zu beliefern.