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April 2020

Logistik Quickwins - die Artikelserie von Pierau Planung (2/8)

Pierau Planung plant und realisiert Logistik. Als Logistikberater kommen wir häufig zum Einsatz bei hohen Versandzahlen, herausfordernden Retouren, großen Bauprojekten oder bei der Einführung von WMS- oder ERP-Systemen – warum also beschäftigen wir uns in unserer Reihe „Quickwins” mit Dingen, die auf den ersten Blick wie Kleinigkeiten wirken?

Die Antwort ist simpel: weil diese Kleinigkeiten so weit verbreitet sind. Unser Berater-Team sieht viele Logistikabwicklungen in der Praxis mit objektivem Blick von außen. Und so unterschiedlich die Systeme und Prozesse auch sind, eines ist ihnen gemeinsam: Häufig gibt es eine oder mehrere Stellschrauben, die mit „wenig Aufwand nebenbei” große Wirkung versprechen.


Heute im Fokus unserer Quickwin-Reihe: Lagerstruktur, die Erste – ABC

Über „Ordnung im Lager” haben wir bereits im ersten Teil unserer Artikelserie geschrieben.

Während wir uns im ersten Artikel mit allgemeiner Ordnung und Effizienz durch Flächeneinteilung und Markierungen beschäftigt haben, betrachten wir nun die (An-) Ordnung der Artikel innerhalb des Lagers. Dabei konzentrieren wir uns auf die Umsetzung der ABC-Artikelstruktur nach Lagerzugriffen. Die die Zuweisung der am besten eigneten Lagerplätze zu den jeweiligen Artikeln hat großes Potenzial zur Steigerung von Effizienz und Abwicklungsgeschwindigkeit.

Es gibt viele Gründe für organisch gewachsene Lagerstrukturen: schnelles Wachstum oder starke Änderungen des Sortiments. Oder eine hohe Auslastung der Logistik, die wenig Zeit für die Bildung grundlegender Strukturen lässt - oder die dazu führt, dass eigentlich provisorische Maßnahmen zur Regel werden.

Die Folge: Es schleichen sich Leistungshemmer durch mangelnde Beachtung der ABC-Struktur ein. Mit der Zeit liegen A-, B- und C-Artikel verstreut im Schmalgang-Hochregallager oder in der Fachbodenregalanlage; die A-Artikel im hinteren und oberen Teil der Gasse bzw. der Anlage, die C-Artikel im zugriffgünstigen vorderen und mittleren Teil. Die Wege in der Kommissionierung ähneln einem Hummelflug, Nachschubbewegungen können nicht koordiniert werden und führen zur weiteren Verteilung der Artikel im Lager.

Durch eine derart unstrukturierte Lagereinteilung erhöht sich der Aufwand für die Mitarbeiter immens, bei gleichzeitig reduzierter Leistung in der Logistik. Die gute Nachricht auch hier: Mit relativ wenig Aufwand lässt sich nachhaltig eine hohe Leistung erreichen und aufrechterhalten.  

•    Die ABC-Klassifizierung der Artikel
Dreh- und Angelpunkt für alle folgenden Quick Wins ist die ABC-Analyse der Artikelpositionen selbst.  Die Häufigkeit der Ansprache der Artikelpositionen und deren Zuordnung zu den ABC-Klassen erfolgt bestenfalls automatisiert im ERP oder LVS, ist aber ebenso durch die Auswertung in einer Tabellenkalkulation möglich.

Die Einteilung der ABC-Struktur ist für jedes Unternehmen individuell. Die ABC-Verteilung 80:15:5 aus der Fachliteratur ist nicht pauschal richtig. Die für das eigene Unternehmen optimale Klassifizierung muss man austesten und anpassen.

•    ABC-Analyse als dauerhafter Prozess
Die ABC-Einteilung ist nicht statisch! Produktlebenszyklen, Änderungen der Vertriebsstrategie oder des Marktes, saisonale Schwankungen, Sortimentsveränderungen, Rabattaktionen - viele interne und externe Faktoren haben konstant Auswirkungen auf die Zuordnung der einzelnen Artikelpositionen zur jeweiligen Klasse.

Eine gute, zielführende ABC-Klassifizierung betrachtet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Durch die Analyse von erfassten vergangenen Zeiträumen lassen sich Schlussfolgerungen auf regelmäßige Veränderungen beispielsweise durch den Saisonwechsel ziehen. Diesen Veränderungen können Sie zukünftig in auslastungsschwächeren Zeiten durch Umlagerungen logistisch zuvorkommen und so Lastspitzen vorbeugen.

Ebenfalls zuvorkommen können Sie zukünftigen Veränderungen in der ABC-Klassen, die sich aus Sortiments- und Marktveränderungen ergeben. Hier benötigt die Logistik Informationen aus anderen Unternehmensbereichen, vor allem aus dem Vertrieb. Dies ist erfahrungsgemäß ein schwieriges Feld – der unternehmensweite Nutzen aus der vorausschauenden Vorbereitung der Logistik ist jedoch so groß, dass man trotzdem alles daransetzen sollte, entsprechende Kommunikationsstrukturen aufzubauen.

Die ABC-Analyse ist kein einmaliger Vorgang, sondern ein dauerhafter Prozess und muss je nach der individuellen Dynamik in der Artikelstruktur laufend wiederholt werden.

Die Bestimmung der ABC-Klassen wird nicht sofort zu 100% funktionieren, aber Übung macht den Meister und der Aufwand lohnt sich!

•    Ansprachestarke Artikel leistungsfördernd platzieren
Teilen Sie die Lagerbereiche entsprechend der ABC-Umschlagsstruktur Ihrer Artikel ein. Feste Lagerbereiche für die ABC-Klassen lassen sich bereits bei der der Neuplanung von Lägern festlegen. Auch in bestehenden Lägern können Sie durch eine IST/SOLL-Analyse abgleichen, welche Artikel bereits auf den günstigen Lagerplätzen liegen und wo Sie Umlagerungsaktionen planen und durchführen müssen. Hierbei gilt es, neben dem reinen Ort verschiedenste Faktoren zu berücksichtigen:  die Art des Lagers (zum Beispiel manuell vs. Automatisch), die Möglichkeit des Nachschubs ohne Blockieren des Kommissionier-Zugriffs, die Größe des Lagerplatzes in Abhängigkeit von der optimalen Bevorratungsmenge und viele mehr. Interessant bei der leistungssteigernden Anordnung im Lager ist auch eine Analyse, welche Artikelpositionen häufig gemeinsam gepickt werden – beispielsweise ein Artikel und das zu seiner Verwendung benötigte Montagematerial.

•    Der (optimale) Weg ist das Ziel

Haben Sie die kürzeste Routenführung stets im Blick: Welche Strecke muss der Mitarbeiter auf dem Weg zum nächsten Pick zurücklegen? Die Zugriffshäufigkeit auf Artikel liefert wichtige Anhaltspunkte zur Berechnung der Wegeoptimierung. Achtung: Nicht immer ist der kürzeste Weg der optimale. Werden alle A-Artikel in einem Lagerbereich gemeinsam eingelagert (in den vorderen zwei Gängen der Fachboden-Regalanlage, in einer Gasse des Palettenlagers), kann es durch die überdurchschnittliche Ansprache dieser Lagerbereiche und Nachschubbewegungen zu Staus und damit zu Leistungsminderungen kommen. Hier empfiehlt sich eine Lastverteilung auf verschiedene gut, aber nicht optimal erreichbare Lagerbereiche.

•    Separate Abwicklung für „Renner“ und „Penner“

Richten Sie auf Basis Ihrer Analyseergebnisse Lagerbereiche ein, in denen Artikel mit unterschiedlichem Umschlag separat abgewickelt werden – z. B. eine Schnelldreherzone mit Durchlaufregalen für ansprachestarke A-Artikel und eine Zone für C-Artikel im hinteren Teil oder in den oberen Ebenen der Fachbodenregalanlage. Je nach Sortiment kann es sich sogar als sinnvoll erweisen, einzelne Artikel komplett separat bereitzustellen. Hier ist zum Beispiel eine direkte Bereitstellung von saisonal stark in der Ansprache wechselnden A+ Artikeln auf zentralen Sonderflächen nahe der Packerei oder eine Auslagerung von quasi nie angesprochenen Ersatzteilen in Außenlagern denkbar.


Die Quickwin-Reihe von Pierau Planung im Überblick:

1.    Ordnung im Lager
2.    Lagerstruktur, die Erste: ABC  
3.    Abwicklung EPO / EPO1
4.    Ergonomie
5.    Lagerplatzoptimierung
6.    Lagerstruktur, die Zweite
7.    Passende Versandverpackung
8.    Musik  

Kennen Sie auch unseren Artikel zum Thema EPO/EPO1? Lesen Sie gern rein!

Haben Sie Fragen oder Anmerkungen zu unseren Quickwins?
Schreiben Sie an Herdis Seibt und Nicole Morganti unter marketing@pierau-planung.de.
Wir verbinden Sie mit dem richtigen Ansprechpartner bei Pierau Planung.