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Juni 2020

Logistik Quickwins - die Artikelserie von Pierau Planung (3/8)

Pierau Planung plant und realisiert Logistik. Als Logistikberater kommen wir häufig zum Einsatz bei hohen Versandzahlen, herausfordernden Retouren, großen Bauprojekten oder bei der Einführung von ERP Systemen – warum also beschäftigen wir uns in unserer Reihe „Quickwins” mit Dingen, die auf den ersten Blick wie Kleinigkeiten wirken?

Die Antwort ist simpel: weil diese Kleinigkeiten so weit verbreitet sind. Unser Berater-Team sieht viele Logistikabwicklungen in der Praxis mit objektivem Blick von außen. Und so unterschiedlich die Systeme und Prozesse auch sind, eines ist ihnen gemeinsam: Häufig gibt es eine oder mehrere Stellschrauben, die mit „nebenbei wenig Aufwand” große Wirkung versprechen.

„One scans”, „single item shipment”, „single orders” – überraschend viele unterschiedliche Begriffe für eine Herausforderung, die insbesondere in Zeiten des E-Commerce Bremsklotz und Kostentreiber im logistischen Tagesgeschäft sein kann: Sendungen, die nur aus einer Artikelposition in der Versandeinheit bestehen, oder sogar aus lediglich einem Stück einer Artikelposition. Wir nennen diese Sendungen „Einpositionsendungen” oder kurz EPO bzw. EPO1 (beim Versand eines Warenstücks).

Nach unseren Artikeln "Ordnung im Lager" und "Lagerstruktur, die Erste: ABC" gehen wir in diesem Teil unserer Quickwin-Reihe auf die typischen Problematiken durch EPO / EPO1 Sendungen ein – und liefern selbstverständlich Ansätze, wie sich Optimierungspotenziale umsetzen lassen.

Quickwins bei der Abwicklung von EPO/EPO1


Intralogistik muss die geforderte Leistung erbringen. Und die Qualität muss stimmen. Aber wirklich messen lassen muss sie sich an den Kosten pro Stück bzw. an den Kosten pro Sendung.

Kalkulatorisch hat dabei jede Abwicklungsstufe vom Wareneingang über Lagervorgänge, Kommissionierung bis hin zum Verpacken und den Warenausgang ihren Anteil an den kumulierten Kosten pro Stück / Sendung. Und das genau ist eines der Probleme bei der Abwicklung von EPO-Sendungen. Durchlaufen diese gemeinsam mit Mehrpositionssendungen (MPO) den gesamten logistischen Prozess ohne Sonderbehandlung, verursachen sie überdurchschnittlich hohe Kosten pro Stück / Sendung. Ist ihr Anteil am gesamten Versandvolumen hoch genug, bremsen sie zudem Prozesse aus und binden Ressourcen, obwohl dies nicht notwendig wäre.

Es empfiehlt sich, die lange Kette der Gesamtabwicklung aufzuschlüsseln und zu betrachten, an welchen Stellen eine gesonderte Abwicklung der EPO-Sendungen Aufwände verringern kann. Als zeitaufwändigster Prozess bietet sich hier die Kommissionierung an – sowohl bei einstufiger als auch bei zweistufiger Kommissionierung bietet sie viel Potenzial zur Kostenersparnis durch getrennte Abwicklung von EPO und MPO.

Ein Beispiel aus der Logistik eines unserer Kunden:

Von 1.200 Kommissionieraufträgen, die pro Stunde abgewickelt werden, entfallen rund 400 auf EPO/EPO1. Die Kommissionierung erfolgt direkt in den Versandkarton, die Kartons werden auf einer Transportanlage an den Fachbodenregalen entlanggeführt und direkt bestückt. Die Versandkartons werden zuvor entsprechend des Sendungsvolumens vordimensioniert, ein Mitarbeiter bestückt dank LVS-Unterstützung mehrere Kartons mit den Artikelpositionen „seines“ Regalbereichs parallel. Der Vorteil an diesem System: leichte Skalierbarkeit, geringe Investitionskosten, flexibler Einsatz von Mitarbeitern entsprechend des Auftragsvolumens (in Zeiten mit geringerem Sendungsvolumen kann ein Mitarbeiter einen größeren Abschnitt der Fachbodenregale abdecken).

Aber: EPO-Sendungen – vor allem eine große Anzahl identisch bestückter Sendungen – führen bei diesem Prozess zu überproportionalem Aufwand: Die EPO-Sendungen sorgen für hohes Aufkommen auf der Versandtransportanlage, Mitarbeiter müssen potenziell den Weg zwischen der Versandtransportanlage und dem Regal für einen Artikel zurücklegen und können Artikelpositionen im Rahmen der Parallelbearbeitung kommissionieren.

Die Lösung: Einpositionsendungen werden nicht über den regulären Prozess per Versandtransportanlage abgewickelt, sondern in Batches getrennt kommissioniert. Die Pickleistung der Mitarbeiter und der Gesamtdurchsatz sind so höher als bei einer gemeinsamen Abwicklung von EPO und MPO. Die Batches werden gezielt speziell eingerichteten Packplätzen zugeführt, an denen Arbeitsschritte wie Sendungskonsolidierung entfallen können.

Die Lösung heißt also separate Abwicklung. In welchen Zonen der Gesamtabwicklung eine Sonderabwicklung der EPO/EPO1-Sendungen sinnvoll ist, um die optimale Nutzung der Ressourcen für nachfolgende Prozesse zu gewährleisten, stellen wir im Folgenden in unseren Quickwins vor.

Quickwins:

  •     Lagerzonen für EPO-Aufträge


Wenn Sie eine separate Lagerzone zur Kommissionierung von EPO/EPO1-Aufträgen einrichten, stellen Sie die Weichen für eine schnelle Bearbeitung. Dies bedeutet nicht zwangsläufig die Einführung einer Batchbildung. Je nach Auftragsvolumen können Sie auch mit einer auftragsbezogenen einstufigen Kommissionierung schon Verbesserungen erzielen, da für einen Auftrag mit einem Warenstück nicht mehrere Lagerzonen durchlaufen werden müssen und die Kommissionierer sich in kleinen Lagerbereichen bewegen. Zusätzlich kann auf einen Sammelplatz zur Auftragszusammenführung verzichtet werden.

  •    Batchbildung


Eine separate Abwicklung stellt insbesondere bei der Bildung von Batches einen Vorteil dar: Mehrere Mitarbeiter können parallel die benötigten Warenstücke in großer Menge picken und an einem definierten Sammelplatz dann zu Aufträgen zusammenführen. Sie profitieren von deutlich verkürzten Wegen und somit in kürzeren Durchlaufzeiten.

  •     Gesonderter Packprozess


Auch auf dem Weg zum Packprozess können EPO-/EPO1-Sendungen durch eine Vorsortierung noch frühzeitig aus dem Hauptprozess herausgelöst und so gesondert effizienter abgewickelt werden.

  •     Durch die Einrichtung separater EPO-Kommissionier- und Packbereiche,


in denen die Sendungen gescannt und weiterbearbeitet werden, schaffen Sie insbesondere in Spitzenzeiten zusätzliche Kapazitäten. Veranschaulicht wird dies, wenn wir noch einmal zu unserem eingangs beschriebenen Kundenbeispiel zurückkehren: 1.200 Aufträge pro Stunde insgesamt – 400 davon EPO/EPO1, die von der gemeinsamen Abwicklung separiert und hocheffizient losgelöst bearbeitet werden. Durch die separate Abwicklung werden Arbeitsschritte vermieden, die im Zusammenhang mit EPO-Sendungen überflüssig wären, beispielsweise 400mal pro Stunde Kontrolle der Sendung auf Vollständigkeit. Damit hat unser Kunde zusätzliche Kapazitäten für die Abwicklung von Mehrpositionsendungen generiert.

Die Quickwin-Reihe von Pierau Planung im Überblick:


1.   Ordnung im Lager

2.   Lagerstruktur, die Erste: ABC

3.   Abwicklung EPO / EPO1

4.   Ergonomie

5.   Lagerplatzoptimierung

6.   Lagerstruktur, die Zweite

7.   Passende Versandverpackung

8.   Musik


Haben Sie Fragen oder Anmerkungen zu unseren Quickwins? Schreiben Sie an Herdis Seibt und Nicole Morganti unter marketing@pierau-planung.de. Wir verbinden Sie mit dem richtigen Ansprechpartner bei Pierau Planung.